Prozessberatung: fünf Phasen, Methoden und Werkzeuge im Überblick
Bild: Beratungsbeilage

Prozessberatung

Prozessberatung im Unternehmen: Ablauf, Methoden und typische Fehler

Prozessberatung: Ablauf in fünf Phasen, Methoden wie Wertstromanalyse, Six Sigma, Kanban und BPMN, Anbieter, Laufzeiten und Kosten ab 18.000 Euro netto.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Prozessberatung verändert Abläufe, Zuständigkeiten und Kennzahlen, nicht die Unternehmensstrategie.
  • Der Ablauf folgt fünf Phasen und dauert in der Regel drei bis neun Monate.
  • Kernmethoden sind Wertstromanalyse, Six Sigma, Kanban und die Modellierung mit BPMN.
  • Für Aufnahme und Modellierung stehen Werkzeuge wie ARIS, Signavio und Camunda bereit.
  • Der Einstieg beginnt bei rund 18.000 Euro netto, abhängig von Umfang, Tagessatz und Reisen.

Was Prozessberatung leistet und wo ihre Grenzen liegen

Prozessberatung nimmt einen abgegrenzten Ablauf von der Anfrage bis zur Auslieferung auf. Erfasst werden Tätigkeiten, Schnittstellen, Wartezeiten, Schleifen und Entscheidungen. Daraus entstehen ein Soll-Ablauf, benannte Verantwortlichkeiten und messbare Kennzahlen.

Die Abgrenzung zu anderen Beratungsformen ist praktisch wichtig. Strategieberatung legt fest, was ein Unternehmen künftig tut. Prozessberatung legt fest, wie es das tut. Technikberatung führt Systeme ein, Personalberatung besetzt Rollen und Kompetenzen. Wer diese Felder vermischt, verliert die Messbarkeit.

Auftraggeber sind meist Prozessmanager, Qualitätsbeauftragte und Geschäftsführer. In Industriebetrieben stehen Durchlaufzeit, Ausschuss und Bestand im Vordergrund. In Verwaltungen geht es um Bearbeitungszeiten, Zuständigkeiten und die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen.

Wie unterschiedlich Betriebe überhaupt abgrenzbare Prozesse beschreiben können, hängt stark von Größe und personeller Ausstattung ab. Die Unternehmensstatistik des Statistischen Bundesamtes zeigt, wie stark der Mittelstand das Bild prägt.

Der Ablauf in fünf Phasen

Der Ablauf folgt einer festen Reihenfolge. Die Zeitangaben sind Richtwerte für einen Prozessbereich mit bis zu drei beteiligten Abteilungen. Die Phasen überlappen bewusst, damit die Umsetzung nicht erst nach der Dokumentation beginnt.

Zeitstrahl mit fünf Phasen der Prozessberatung von Woche 1 bis 40 ('Prozessberatung im Unternehmen: Ablauf, Methoden und typische Fehler')
Die fünf Phasen überlappen bewusst, damit die Umsetzung nicht erst nach der Dokumentation beginnt. Image: Beratungsbeilage
  1. Auftragsklärung, Woche 1 bis 4.Der Auftraggeber nennt Zielgrößen, Prozessgrenzen und Ansprechpartner. Die Beratung prüft den Datenzugang und legt den Umfang schriftlich fest. Ergebnis ist ein Projektauftrag mit Kennzahlen und Terminen.
  2. Ist-Analyse, Woche 3 bis 9.Interviews, Beobachtungen am Arbeitsplatz und Auswertungen aus dem ERP-System ergeben den Ist-Ablauf. Zeiten und Fehlerquoten werden gemessen, nicht geschätzt. Ergebnis ist ein validiertes Prozessmodell.
  3. Soll-Konzept, Woche 8 bis 16.Das Team priorisiert Maßnahmen nach Wirkung und Aufwand. Der Soll-Ablauf wird modelliert und der Nutzen mit Zahlen belegt. Ergebnis ist ein beschlossenes Konzept mit Verantwortlichen.
  4. Pilot und Umsetzung, Woche 14 bis 34.Der Soll-Ablauf läuft zuerst in einem Bereich oder Werk. Schulungen, Boards und Anpassungen erfolgen dort. Ergebnis ist ein erprobter Ablauf mit belastbaren Kennzahlen.
  5. Übergabe und Nachverfolgung, Woche 30 bis 40.Ein Prozessowner übernimmt die Verantwortung. Kennzahlen werden monatlich berichtet, ein Audit folgt nach drei Monaten. Ergebnis ist ein gesicherter Betrieb ohne Beratung.

Aus dieser Taktung ergeben sich Projektlaufzeiten von drei bis neun Monaten. Kurze Projekte enden nach Ist-Analyse und Soll-Konzept. Lange Projekte umfassen zusätzlich Pilot, Rollout und Nachverfolgung.

Zuständigkeiten sind in jeder Phase zu trennen. Der Auftraggeber entscheidet über Umfang, Budget und Konflikte. Der Prozessowner verantwortet den Ablauf nach der Übergabe. Die Beratung liefert Methode, Moderation und Auswertung, nicht die Linienverantwortung.

Methoden: Wertstromanalyse, Six Sigma, Kanban, BPMN

Die Methodenwahl folgt der Frage, die beantwortet werden soll. Ein Werk mit hohen Beständen braucht eine andere Methode als eine Abteilung mit streuenden Fehlerquoten.

Vergleichstabelle der Methoden Wertstromanalyse, Six Sigma, Kanban und BPMN ('Prozessberatung im Unternehmen: Ablauf, Methoden und typische Fehler')
Die Methodenwahl folgt der Frage, die beantwortet werden soll. Image: Beratungsbeilage

Die Wertstromanalyse bildet Material- und Informationsfluss in einem Bild ab. Sie trennt wertschöpfende von nicht wertschöpfenden Schritten und macht Wartezeiten sichtbar. Typische Dauer: zwei bis sechs Wochen für eine Produktfamilie.

Six Sigma arbeitet nach dem Zyklus DMAIC, also Define, Measure, Analyze, Improve, Control. Fehlerraten werden statistisch erfasst und auf Ursachen zurückgeführt. Die Methode eignet sich für wiederkehrende, messbare Abläufe mit Streuung. Rollen wie Green Belt und Black Belt tragen das Vorgehen im Linienbetrieb.

Kanban begrenzt den Arbeitsvorrat und steuert den Fluss über ein Board. Karten, Spalten und WIP-Limits machen Engpässe sofort sichtbar. Das Verfahren passt zu Abläufen mit schwankendem Auftragseingang und kurzen Durchlaufzeiten.

BPMN ist eine standardisierte Notation der Object Management Group, aktuell in Version 2.0. Sie beschreibt Abläufe eindeutig und ist Grundlage für Automatisierung. Modelle lassen sich später direkt in Workflow-Engines ausführen.

MethodeLeitfrageTypische Dauer
WertstromanalyseWo entstehen Wartezeiten im Material- und Informationsfluss?2 bis 6 Wochen
Six Sigma (DMAIC)Wie stark streuen Fehler, und wie lassen sie sich senken?3 bis 6 Monate
KanbanWie lässt sich der Arbeitsvorrat begrenzen und der Fluss stabilisieren?1 bis 3 Monate
BPMN 2.0Wie sieht der Ablauf formal eindeutig aus?1 bis 4 Wochen

Werkzeuge: ARIS, Signavio und Camunda

ARIS von Software AG ist seit Jahrzehnten im Prozessmanagement verbreitet. Das Werkzeug arbeitet mit einem zentralen Repository und liefert Referenzmodelle für ganze Branchen.

Signavio gehört heute zu SAP und wird vor allem im Browser genutzt. Mehrere Fachbereiche modellieren parallel, Kommentare und Versionen laufen zentral zusammen. Für die Analyse stehen Auswertungen zu Zeiten, Kosten und Häufigkeiten bereit.

Camunda ist eine Workflow-Engine für BPMN. Modelle werden dort nicht nur gezeichnet, sondern ausgeführt und mit Systemen wie ERP oder CRM verbunden. Der Anbieter stammt aus Berlin und arbeitet mit offenen Standards.

Die Auswahl folgt vier Kriterien: Modellierungstiefe, Rechte- und Rollenkonzept, Schnittstellen zur bestehenden Systemlandschaft und Betriebsform. Cloud und On-Premises unterscheiden sich bei Datenschutz und Betriebsaufwand deutlich.

Automatisierte Entscheidungen in Abläufen fallen unter die EU-Verordnung über künstliche Intelligenz. Einen Umsetzungsleitfaden zur KI-Verordnung hat Bitkom veröffentlicht, der Risikoklassen und Pflichten beschreibt.

Anbieter im Markt

Der Markt für Prozessberatung ist breit. Vier Anbieter werden in Ausschreibungen und Vergleichen besonders häufig genannt.

Horváth mit Sitz in Stuttgart ist für Controlling, Prozess- und Performancemanagement bekannt. Projekte verbinden häufig Kennzahlensteuerung mit Prozessoptimierung.

ifb Gruppe begleitet Lean Management, Prozessoptimierung und Ausbildungen zu Six Sigma. Trainings und Zertifizierungen gehören zum Leistungsbild.

Staufen AG aus Köngen berät zu Lean Management und veröffentlicht regelmäßig den Industrie 4.0 Index zur Digitalisierung der Industrie.

Porsche Consulting aus Bietigheim-Bissingen stammt aus dem Fahrzeugbau und arbeitet zu Lean, Produktion und Prozessen in indirekten Bereichen.

Zur Auswahl gehören weitere Gruppen: große Prüfungs- und Beratungsgesellschaften, IT-Dienstleister mit Prozesskompetenz und kleinere Büros mit Branchenfokus. Bei Digitalisierungsvorhaben lohnt der Blick auf den Reifegrad der Branche, den die Bitkom-Studie Industrie 4.0 erhebt.

Dauer und Kosten

Kosten entstehen aus Beratertagen, Reisen und internem Aufwand. Tagessätze liegen im Markt meist zwischen 1.200 und 2.000 Euro netto, in großen Gesellschaften darüber. Der interne Aufwand wird oft unterschätzt, weil er Schlüsselpersonen über die gesamte Laufzeit bindet.

Kennzahlen zu Kosten und Dauer von Prozessberatung ('Prozessberatung im Unternehmen: Ablauf, Methoden und typische Fehler')
Die Beispielrechnungen zeigen, wie sich Beratertage und interner Aufwand zu Gesamtkosten summieren. Image: Beratungsbeilage

Beispielrechnung für eine Prozessanalyse

Angenommen werden zwölf Beratertage zu je 1.500 Euro netto. Das ergibt 18.000 Euro netto. Dazu kommen Reisekosten und rund 20 Personentage intern für Interviews, Datenaufbereitung und Abstimmung. Das Ergebnis sind Ist-Modell, Kennzahlen und eine priorisierte Maßnahmenliste.

Beispielrechnung für ein Umsetzungsprojekt

Angenommen werden zwei Berater mit zusammen 60 Tagen zu je 1.800 Euro netto. Das ergibt 108.000 Euro netto über acht Monate. Intern kommen 0,3 Vollzeitstellen für Pilot, Schulung und Nachverfolgung hinzu. Beide Rechnungen sind Beispiele und keine Angebote.

ProjektzuschnittLaufzeitErgebnis
Analyse eines Teilprozesses3 MonateIst-Modell, Kennzahlen, Maßnahmenliste
Pilot in einem Bereich5 bis 6 Monateerprobter Soll-Ablauf, geschulte Mitarbeitende
Rollout über mehrere Standorte7 bis 9 MonateStandardablauf, Kennzahlenbericht, Prozessowner

Typische Fehler in der Prozessberatung

Fünf Fehler wiederholen sich in Projekten immer wieder. Sie lassen sich vor dem Start vermeiden.

Checkliste mit fünf typischen Fehlern in der Prozessberatung ('Prozessberatung im Unternehmen: Ablauf, Methoden und typische Fehler')
Fünf Fehler wiederholen sich in Projekten immer wieder und lassen sich vor dem Start vermeiden. Image: Beratungsbeilage
  1. Zu großer Umfang.Wer die gesamte Auftragsabwicklung in vier Wochen analysieren will, erhält ein unvollständiges Modell. Besser ist ein klar abgegrenzter Teilprozess mit messbarem Ergebnis.
  2. Analyse ohne Zahlen.Workshops liefern Erinnerungen, keine Zeiten. Ohne Messung von Durchlaufzeit, Fehlerquote und Bestand fehlt die Grundlage für jede Bewertung.
  3. Unklare Entscheidungsbefugnis.Fehlt ein Auftraggeber mit Budget und Weisungsrecht, bleiben Konflikte zwischen Abteilungen liegen.
  4. Werkzeug vor Prozess.Eine Lizenz für ein Modellierungswerkzeug vor dem Soll-Konzept bindet Geld und legt die Notation fest, bevor der Ablauf geklärt ist.
  5. Kein Prozessowner nach dem Projekt.Ohne benannte Verantwortung sinken Kennzahlen nach wenigen Monaten auf das Ausgangsniveau zurück.

Prozessberatung in der Verwaltung

In Kommunen, Ländern und Bundesbehörden gelten andere Rahmenbedingungen als in der Industrie. Bearbeitungszeiten hängen an Rechtsvorschriften, Zuständigkeiten sind gesetzlich verteilt. Eine Analyse muss die rechtlichen Grenzen zuerst klären.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag bündelt seine Themenfelder zu Standortfragen, Digitalisierung und Fachkräften und liefert damit Argumente für Prozessvorhaben in der Region.

Zusätzlich verlängern Vergabeverfahren und Abstimmungen mit Gremien die Laufzeit. Realistisch sind dort eher neun Monate als drei. Die Dienstleistungsstatistik des Statistischen Bundesamtes ordnet Beratungsleistungen dem wirtschaftlichen Dienstleistungssektor zu.

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Prozessberatung?

Für einen abgegrenzten Prozess sind drei bis vier Monate üblich. Mit Pilot und Rollout über mehrere Standorte steigt die Laufzeit auf sieben bis neun Monate. Verzögerungen entstehen meist durch fehlende Daten oder späte Entscheidungen.

Was kostet Prozessberatung?

Eine Analyse startet bei rund 18.000 Euro netto, entsprechend zwölf Beratertagen zu 1.500 Euro netto. Umsetzungsprojekte mit Pilot liegen häufig im Bereich von 50.000 bis 120.000 Euro netto. Reisekosten und interner Aufwand kommen hinzu.

Welche Methode passt zu welchem Prozess?

Wertstromanalyse passt zu Fertigung und Logistik mit hohen Beständen. Six Sigma passt zu wiederkehrenden Abläufen mit messbaren Fehlerquoten. Kanban eignet sich für schwankende Auftragslasten. BPMN ist die Grundlage, wenn Abläufe dokumentiert oder automatisiert werden sollen.

Wer gehört ins Projektteam?

Der Auftraggeber entscheidet und trägt das Budget. Ein Prozessowner verantwortet den Ablauf fachlich. Mitarbeitende aus den betroffenen Bereichen liefern Zeiten und Ausnahmen. Die Beratung stellt Methode, Moderation und Auswertung.

Woran erkennt man eine geeignete Beratung?

Auf Referenzen im gleichen Prozessfeld achten, nicht nur auf Branchennennungen. Das Angebot sollte Messgrößen, Phasen und Übergabekriterien nennen. Wer den Prozessowner und die Nachverfolgung von Beginn an mitplant, reduziert das Risiko eines Rückfalls.

In diesem Leitfaden

  1. Prozessberatung 5 Schritte zur EinführungProzessberatung in fünf Schritten einführen: Zielklärung, Prozessaufnahme, Maßnahmen, Umsetzung und Sustainment mit Kennzahlen, Zeiträumen und Kosten.
  2. Wann lohnt sich Prozessberatung für ein mittelständisches Unternehmen?Prozessberatung im Mittelstand: Auslöser, wann sie sich lohnt, Eigenleistung gegen externe Beratung, Förderprogramme und Beispielrechnungen mit 19 Prozent MwSt.
  3. Prozessberatung Kosten im Vergleich zu internen VerbesserungskostenProzessberatung Kosten: Tagessätze von 900 bis 2.200 Euro netto, Projektbudgets von 12.000 bis 80.000 Euro und interne Verbesserungskosten im Vergleich.

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