Karte zu Personaldiagnostik: Verfahren, DIN 33430 und Kosten pro Kandidat
Bild: Beratungsbeilage

Personalberatung

Teil von Auswahl einer Personalberatung systematisch gestalten

Personaldiagnostik in der Personalberatung als Instrument und Grenze

Personaldiagnostik in der Personalberatung: Instrumente wie Assessment Center und Tests, Kosten von 500 bis 5.000 Euro, Grenzen durch AGG, DSGVO und DIN 33430.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Vier Verfahren prägen die Praxisstrukturiertes Interview, Assessment Center, psychometrische Tests und 360-Grad-Feedback.
  • Die DIN 33430 beschreibt Anforderungen an Eignungsbeurteilungen, angestoßen hat sie der BDP.
  • Große Häuser wie Kienbaum, Egon Zehnder, Korn Ferry und Heidrick & Struggles bündeln diese Verfahren in Assessment-Projekten.
  • Je Kandidat liegt die Branchenspanne bei 500 bis 5.000 Euro netto, darauf kommen 19 Prozent MwSt.
  • Die Grenzen zeigen sich in Urteilen zu unzulässigen Fragen, in der Mitbestimmung und in der begrenzten Prognosekraft.

Welche Instrumente zählen zur Personaldiagnostik?

Strukturiertes Interview: Fragenkatalog und Reihenfolge stehen vorher fest. Alle Kandidaten hören dieselben Fragen, die Antworten werden so vergleichbar.

Vergleich der vier Instrumente: Interview, Assessment Center, Tests, 360-Grad-Feedback (Personaldiagnostik in der Personalberatung als Instrument und Grenze)
Die vier Verfahren unterscheiden sich in Ablauf, Stärke und Grenze. Image: Beratungsbeilage

Assessment Center: Geschulte Beobachter bewerten Übungen wie Gruppendiskussion, Präsentation, Postkorb und Rollenspiel. Das zeigt Verhalten in arbeitsnahen Situationen, bindet aber mehrere Beobachter über Stunden.

Psychometrische Tests: Sie messen kognitive Fähigkeiten, Persönlichkeitsmerkmale oder Interessen. Verbreitet sind das Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung aus dem Hogrefe Verlag und das Hogan Personality Inventory.

360-Grad-Feedback: Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeitende und die Person selbst geben Urteile ab. Für Entwicklung ist das etabliert, für Auswahl nur eingeschränkt.

Ergänzend nutzen Beratungen Arbeitsproben und biografische Fragebögen. Bei der Arbeitsprobe löst der Kandidat eine typische Aufgabe, etwa eine Kalkulation.

Wer führt Personaldiagnostik durch?

Kienbaum bietet Assessment Center für Auswahl und Entwicklung an. Egon Zehnder setzt Executive Assessments für Spitzenpositionen ein. Korn Ferry hat das Korn Ferry Assessment of Leadership Potential entwickelt, Heidrick & Struggles arbeitet mit vergleichbaren Verfahren.

Auf der Testseite liefern Verlage wie Hogrefe und Hogan Assessment Systems die Instrumente. Durchgeführt werden sie von Psychologinnen und Psychologen oder geschulten Assessoren. Zertifikate nach DIN 33430 vergibt die Zertifizierungsstelle des BDP.

Welcher Qualitätsmaßstab gilt?

Die DIN 33430 formuliert Anforderungen von der Auftragsklärung über die Durchführung bis zur Rückmeldung. Sie bindet Auftraggeber und Durchführende.

Drei Gütekriterien entscheiden: Objektivität, Zuverlässigkeit und Gültigkeit. Objektiv heißt, verschiedene Beurteiler kommen zum selben Ergebnis. Zuverlässig heißt, die Messung wiederholt sich stabil. Gültig heißt, das Verfahren misst, was für die Stelle zählt.

Wer die Norm ignoriert, riskiert nicht belastbare Ergebnisse und Erklärungsnot bei Absagen. Die Personalentwicklung bei der Bundesagentur für Arbeit ordnet Diagnostik in Auswahl und Weiterbildung von Beschäftigten ein.

Was kostet Personaldiagnostik je Kandidat?

Die Branchenspanne reicht von 500 Euro netto für ein strukturiertes Interview bis 5.000 Euro netto für ein mehrtägiges Assessment Center mit Testdiagnostik und schriftlichem Gutachten.

Den Preis bestimmen Zahl der Übungen, Qualifikation der Beobachter und Umfang der Gutachten.

Rechenbeispiel

Fünf Kandidaten für eine Führungsposition, zwei Tage Assessment Center zu 1.200 Euro netto je Person: 6.000 Euro netto. Mit 19 Prozent MwSt. sind es 7.140 Euro brutto.

Welche rechtlichen Grenzen gelten?

Psychologische Tests verarbeiten personenbezogene Daten, häufig auch Angaben zum Gesundheitszustand. DSGVO und BDSG verlangen Rechtsgrundlage, Zweckbindung, kurze Speicherfristen und transparente Information der Kandidaten.

Das AGG verbietet Benachteiligung wegen Herkunft, Geschlecht, Religion, Behinderung, Alter oder sexueller Identität. Das Bundesarbeitsgericht hat die Frage nach einer Schwangerschaft als unzulässig bewertet, ebenso die Frage nach einer Schwerbehinderung ohne Tätigkeitsbezug. Bei Verstößen drohen Entschädigungsansprüche nach § 15 AGG.

Allgemeine Auswahlrichtlinien und Personalfragebögen brauchen nach § 94 und § 95 BetrVG die Zustimmung des Betriebsrats. Verweigert er sie, entscheidet die Einigungsstelle. Ein Verfahren ohne Tätigkeitsbezug lässt sich damit kaum durchsetzen.

Wo endet die Aussagekraft?

Kein Verfahren prognostiziert den Berufserfolg sicher. Die Metaanalyse von Schmidt und Hunter aus dem Jahr 1998 ordnet strukturierte Interviews, kognitive Tests und Arbeitsproben als vergleichsweise treffsicher ein. Ein Urteil bleibt eine Wahrscheinlichkeit.

360-Grad-Feedback mischt Selbst- und Fremdwahrnehmung und taugt deshalb für Entwicklung, nicht für Auswahl. Urteile von Kollegen sind von Rollenkonflikten und Gefälligkeiten geprägt.

Ein dokumentiertes Praxisbeispiel für automatisierte Diagnostik ist Amazon: 2018 stoppte der Konzern ein KI-gestütztes Bewerbungsscreening, weil das Modell Bewerbungen von Frauen systematisch abwertete.

Auch die geprüfte Person verzerrt das Ergebnis: Manche zeigen unter Beobachtung bessere Leistungen, andere schlechtere.

Was gilt für öffentliche Auftraggeber?

Kommunen, Länder und Bundesbehörden beschaffen Personalberatung mit diagnostischem Anteil nach der Vergabeverordnung. Nach den Vergabegrundsätzen des § 97 GWB werden öffentliche Aufträge im Wettbewerb und in transparenten Verfahren vergeben. Die Leistungsbeschreibung muss Verfahren, Gütekriterien und Dokumentationspflichten prüfbar festhalten, sonst sind Angebote kaum vergleichbar.

Unternehmen brauchen vor dem Start eine Betriebsvereinbarung, ein Informationsschreiben und einheitliche Bewertungsbögen. Der DIHK bündelt Fachkräftethemen, weil Auswahlverfahren dort als Baustein der Fachkräftesicherung gelten.

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Assessment Center?

Ein eintägiges Verfahren dauert sechs bis acht Stunden. Mehrtägige Varianten mit Tests und Einzelinterviews brauchen zwei Tage, Reisezeiten kommen hinzu.

Wer darf psychometrische Tests durchführen?

Die DIN 33430 verlangt eine Qualifikation, die zum Verfahren passt. Beratungen arbeiten deshalb mit Psychologinnen und Psychologen oder geschulten Assessoren.

Ist 360-Grad-Feedback für Auswahlentscheidungen geeignet?

Nur begrenzt, weil Fremdurteile aus dem Arbeitskontext von Rollenkonflikten und Gefälligkeiten geprägt sind. Als Entwicklungsinstrument ist es deutlich besser geeignet.

Was kostet ein strukturiertes Interview je Kandidat?

Es startet bei rund 500 Euro netto. Für fünf Kandidaten sind das 2.500 Euro netto, mit 19 Prozent MwSt. 2.975 Euro brutto.

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