Vergleich von Beratungsangeboten mit Kriterien, Nutzwertanalyse und Preisspiegel
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Beratungsangebote vergleichen: Kriterien, Nutzwertanalyse und Fallstricke

Beratungsangebote vergleichen: Kriterien wie Qualifikation, Referenzen und Compliance, Nutzwertanalyse, Preisspiegel und typische Fallstricke im Überblick.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Sechs Kriterien tragen den VergleichQualifikation, Referenzen, Methodik, Preis, Kapazität und Compliance.
  • Eine Nutzwertanalyse gewichtet diese Kriterien und macht Angebote mit unterschiedlichen Stärken vergleichbar.
  • Ein Preisspiegel rechnet Tagessätze, Festpreise und Aufwandsschätzungen auf denselben Leistungsumfang um.
  • Beispielsummen reichen von 25.000 Euro netto bis 250.000 Euro netto, jeweils zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer.
  • Typische Fallstricke sind offene Tagessätze, nachträgliche Gewichtung und Referenzen ohne Ansprechpartner.

Sechs Kriterien, die den Vergleich tragen

Der Vergleich beginnt bei den Personen, nicht beim Firmenlogo. Prüfen Sie Ausbildung, Zertifikate und Branchenerfahrung der Berater, die tatsächlich im Projekt arbeiten. Verlangen Sie Lebensläufe der vorgesehenen Personen.

Sechs Vergleichskriterien

  • QualifikationLebensläufe der Berater prüfen
  • Referenzendrei prüfbare Projekte mit Ansprechpartner
  • MethodikVorgehensmodell und Abnahmekriterien
  • PreisTagessätze auf gleichen Umfang umrechnen
  • Kapazitätverfügbare Beratertage pro Woche
  • ComplianceVertraulichkeit und Interessenkonflikte

Referenzen wirken nur, wenn sie prüfbar sind. Fragen Sie nach Projektgröße, Zeitraum, Ergebnis und einem Ansprechpartner beim damaligen Auftraggeber. Drei prüfbare Projekte sagen mehr als dreißig Referenzlogos.

Die Methodik bestimmt den Aufwand auf Ihrer Seite. Vorgehensmodell, Zwischenergebnisse und Abnahmekriterien gehören in das Angebot, ebenso die Frage, welche Daten der Auftraggeber liefert.

Beim Preis zählt das Modell, nicht die Kopfzahl. Tagessätze, Festpreise und Aufwandsschätzungen sind erst nach Umrechnung auf denselben Leistungsumfang vergleichbar. Reisezeiten, Lizenzen und Nachbereitung gehören in dieselbe Tabelle.

Kapazität meint verfügbare Beratertage pro Woche und die Zusage, dass das angebotene Team bleibt. Verlangen Sie eine Liste der parallel laufenden Projekte. Compliance umfasst Vertraulichkeit und Interessenkonflikte. Schwere Verstöße eines Bieters, etwa Bestechung oder Wettbewerbsverstöße, können nach § 127 GWB zum Ausschluss führen.

Öffentliche Auftraggeber bindet der Wettbewerbs- und Gleichbehandlungsgrundsatz aus § 97 GWB. Das Verfahren von der Bekanntmachung bis zur Abnahme regelt die Vergabeverordnung.

Anbieterklassen im Vergleich

Vier Gruppen prägen den Markt, und sie unterscheiden sich in Teamstruktur, Umsetzungsanteil und Beschaffungsweg.

Strategieberatungen wie McKinsey & Company, die Boston Consulting Group, Bain & Company und Roland Berger arbeiten mit kleinen, partnergeführten Teams und stellen die Analyse in den Vordergrund.

Prozess- und Technikberatungen wie Accenture, Capgemini Invent, BearingPoint, adesso oder Campana & Schott verbinden Beratung und Umsetzung und übernehmen häufig den Betrieb von Systemen.

Prüfungsnahe Gesellschaften wie Deloitte, EY, KPMG und PwC decken Beratung und Prüfung ab; bei prüfungsnahen Aufträgen ist die Unabhängigkeit gesondert zu prüfen. In der Personalberatung treten Kienbaum, Egon Zehnder, Heidrick & Struggles und Spencer Stuart mit Suchmandaten an; hier zählen Kandidatenzugang und Vertraulichkeit mehr als der Tagessatz.

Für öffentliche Auftraggeber kommt die PD - Berater der öffentlichen Hand GmbH in Berlin hinzu, die Bund und Ländern gehört. Ab den EU-Schwellenwerten, für Kommunen bei 221.000 Euro netto, gilt die Richtlinie 2014/24/EU.

Nutzwertanalyse in fünf Schritten

Fünf Arbeitsschritte genügen, um aus Einzelurteilen eine Rangfolge zu bilden. Die Punkteskala bleibt über alle Angebote gleich.

  1. Kriterien festlegen und auf fünf bis acht Felder begrenzen.
  2. Gewichtung verteileninsgesamt 100 Prozentpunkte, davon 30 bis 40 Prozent auf den Preis.
  3. Bewertenje Kriterium 1 bis 5 Punkte, jede Punktzahl mit einer Fundstelle im Angebot belegen.
  4. Teilnutzen berechnenPunkte mal Gewichtung, getrennt für jedes Kriterium.
  5. Summieren und Grenzen prüfenDas beste Gesamtergebnis gewinnt nur, wenn der Preis im Budget bleibt.

Der Preis gehört nur einmal in die Rechnung, sonst zählt er doppelt. Punkte ohne Fundstelle im Angebot erzeugen ein Bauchgefühl mit Zahlen.

Preisspiegel und Beispielsummen

Ein Preisspiegel rechnet alle Angebote auf denselben Leistungsumfang um. Die folgende Beispielrechnung gilt für 120 Beratertage, alle Beträge netto zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer. Die Summen sind konstruierte Beispielzahlen.

Abrechnung

Technikberatung, Umsetzung inklusive
1.100 Euro pro Beratertag, 120 Tage
Prozessberatung mit Reisekosten
950 Euro pro Beratertag plus 6.000 Euro Reisekosten
Strategieberatung, Festpreis
Festpreis für 120 Tage

Netto

Technikberatung, Umsetzung inklusive
132.000 Euro
Prozessberatung mit Reisekosten
120.000 Euro
Strategieberatung, Festpreis
148.000 Euro

mit 19 Prozent Umsatzsteuer

Technikberatung, Umsetzung inklusive
157.080 Euro
Prozessberatung mit Reisekosten
142.800 Euro
Strategieberatung, Festpreis
176.120 Euro

Das zweite Angebot liegt mit 120.000 Euro netto und 142.800 Euro brutto vorn. Das dritte bietet dafür den engsten Vorgehensplan und eine namentlich benannte Projektleitung. Prüfen Sie vor der Vergabe, ob jede Position im Preisblatt eine Leistung im Vorgehensplan hat.

Kleinere Vorhaben starten bei 25.000 Euro netto, größere Programme erreichen 250.000 Euro netto, jeweils zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer. Für öffentliche Auftraggeber kommt die Dokumentationspflicht hinzu: Jede Wertungsentscheidung muss im Vergabevermerk nachvollziehbar sein.

Typische Fallstricke beim Vergleich

  • Netto und brutto vermischt120.000 Euro netto sind 142.800 Euro brutto.
  • Offene TagessätzeDas Kostenrisiko wandert zum Auftraggeber, wenn der Aufwand steigt.
  • Nachträgliche GewichtungWer erst nach dem Preisspiegel gewichtet, begründet nur sein Ergebnis.
  • Referenzen ohne KontaktOhne Ansprechpartner bleibt die Referenz eine Behauptung.
  • Mündliche KapazitätszusageOhne Vertragsklausel ist das angebotene Team nicht gesichert.

Ein Preisspiegel ohne Leistungsabgrenzung vergleicht Angebote, die unterschiedliche Dinge liefern. Stundensätze lassen sich nicht gegen Pauschalpreise stellen, solange kein gemeinsames Leistungsverzeichnis existiert. Tritt derselbe Berater bei zwei Bietern auf, ist das kein Wettbewerbsvorteil, sondern ein Interessenkonflikt. Compliance-Nachweise gehören vor die Auswahl, nicht danach.

Häufige Fragen

Wie viele Kriterien braucht eine Nutzwertanalyse?

Fünf bis acht Kriterien reichen. Jedes weitere Kriterium trägt nur wenige Prozentpunkte und verliert an Trennschärfe.

Wie wird der Preis behandelt?

Der Preis erhält eine Gewichtung von 30 bis 40 Prozent und wird in Punkte umgerechnet. Eine zweite Preiswertung über den Preisspiegel verzerrt das Ergebnis.

Welche Unterlagen sollte jedes Angebot enthalten?

Lebensläufe der vorgesehenen Berater, prüfbare Referenzen, Vorgehensplan, Preisblatt sowie Erklärungen zu Vertraulichkeit und Interessenkonflikten.

Was tun, wenn zwei Angebote gleichauf liegen?

Nachbesserung zu den schwächsten Kriterien verlangen. Ein Gespräch über Methodik und Team trennt meist klarer als ein weiterer Punkt.

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